Inflation in Eurozone erreicht 5,8 Prozent – Rohstoffpreise explodieren – Bitcoi…


Weizen, eine mittlerweile gar nicht mehr so günstige Pflanze. Bild von Iamoix via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Inflation beginnt, zu galoppieren. Eurostat meldet eine Teuerungsrate von 5,8 Prozent. Aber wie es aussieht, ist das erst der Anfang. Welche Rolle spielt die Geldpolitik der EZB dabei? Und ist Bitcoin die Lösung – oder nicht mal ein Pflaster?

Nun ist es offiziell: Im Februar stiegen die Preise in der Eurozone um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, meldet Eurostat. Dies ist der höchste Wert seit Einführung des Euro.

Eigentlich hatten Ökonomen mit einem Preisanstieg von „lediglich“ 5,1 Prozent gerechnet. Doch angesichts der beunruhigenden Weltlage sind die 5,8 Prozent vermutlich erst der Auftakt. Das Handelsblatt zitiert einen Schweizer Ökonomen, der einen „Stagflations-Schock von epischem Ausmaß“ und eine Inflation von mehr als sechs Prozent erwartet.

Als Treiber der Teuerung im Februar gelten vor allem Energiepreise, die um dramatische 31,7 Prozent gestiegen seien. Aber auch Lebensmittel zogen mit mehr als vier Prozent kräftig an. Bundesbank-Chef Joachim Nagel erwartet, dass die Inflation andauert.

Die FAZ betont, dass die aktuellen Zahlen den Angriffskrieg Russlands noch kaum widergeben. Und tatsächlich deuten die Weltmarktpreise für zahlreiche Rohstoffe darauf an, dass es noch sehr viel schlimmer kommen wird.

Explodierende Rohstoffpreise

Besonders verstörend sind die Preise für Weizen, die derzeit explodieren, da Russland und die Ukraine die beiden wichtigsten Produzenten des Getreides sind.

Mit 1340 je Bu erreichen die ein Allzeithoch und haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Ein Bu meint 5.000 „Bushels“, und ein Bushel entspricht 18,62 Kilogramm Weizen. Demnach liegt der Weizenpreis je Kilogramm auf den Erzeugermärkten weiterhin bei relativ günstigen 1,4 Dollar-Cent.

Der Weizenpreis nach Trading Economics

Die Preissteigerung von Weizen ist extrem, zieht sich aber in ähnlicher Form durch zahlreiche andere Lebensmittel. Hafer hat bereits im Herbst einen extremen Preisanstieg durchgemacht und den Preis im Jahresvergleich etwa verdoppelt. Mais ist zwar deutlich teurer als vor einem Jahr, kostete aber im Frühjahr 2021 noch mehr.

Preise für Hafer nach Trading Economics

Sojabohnen haben in den letzten sechs Monaten um etwa 50 Prozent zugelegt, bleiben aber noch knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von 2012. Die Preise für Palmöl haben sich seit einem Jahr beinah verdoppelt und ein Allzeithoch erreicht; Kaffee ist ebenfalls um beinah 100 Prozent gestiegen, aber noch deutlich unter vorhergegangenen Höhepunkten.

Der Preis für Reis …

Moderat steigt hingegen Reis, um „nur“ 30 Prozent, Zucker noch weniger, und Tee stagniert sogar.

Der zweite klare Preistreiber sind die Energierohstoffe. Mit 110 Dollar je Barrel hat sich der Preis im Laufe eines Jahres ebenfalls beinahe verdoppelt. Ein Barrel sind 158,98 Liter, womit ein Liter Rohöl 69 Cent kostet. Anders als bei Weizen bildet Rohöl allerdings kein Allzeithoch – der Preis lag Mitte 2008 mit 140 Dollar noch deutlich höher.

Und Rohöl …

Bei den Benzinpreisen ist die Verteuerung des Ölpreises noch nicht ganz angekommen. Zwar steigen die US-Preise je Gallone Benzin deutlich an, sind aber mit 3,32 Dollar noch unter den Höhepunkten von 2008 und 2012. Eine Gallone sind fast 3,8 Liter, was einem Benzinpreis von 89 Cent je Liter entspricht.

Kein Rohstoffpreis ist so sehr explodiert wie der von Kohle

Der Preis für Erdgas hat sich zwar im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, war aber im Herbst noch teurer. Am extremsten fällt die Teuerung bei Kohle aus: Innerhalb von einem Jahr hat sich der Preis von 100 Dollar je Tonne auf 400 vervierfacht und damit ein absolutes Allzeithoch erreicht. Verglichen mit einem Tiefpunkt 2020 hat er sich sogar verachtfacht. Für die Energiewende ist das nicht eben ein gutes Signal …

Die Notenbanken überdenken ihre Geldpolitik

Die Notenbanken können nun nicht anders, als einzugestehen, dass ihre Prognosen durch und durch falsch waren. 2020 haben sie vor einer Deflation gewarnt, und als danach die Preise immer weiter anzogen, haben sie scheibchenweise die Prognose angepasst. Es gleich einem tragikomischen Vertrauensverlust:

„Ja, es gibt eine Inflation, aber sie wird mild sein und im Mehrjahresdurchschnitt weiter unter der anvisierten 2-Prozent-Marke liegen. Ok, die Inflation erreicht drei, vielleicht sogar vier Prozent. Aber das ist nur von kurzer Dauer. Nun, die Inflation hat definitiv vier Prozent erreicht, und das wird sich noch einige Monate hinziehen, aber mittelfristig abflauen …“

Nun gesteht selbst EZB-Präsidentin Christine Lagarde ein, dass die höheren Inflationsraten wohl relativ dauerhaft sein werden.

Zur Verteidigung der Notenbanken muss man aber sagen, dass die aktuelle Inflation eher wenig mit ihrer Geldpolitik zu tun hat. Dass die EZB auf die Corona-Krise mit einer Euro-Flut und Zinssenkungen reagiert hatte, hat die Inflation schon vor der aktuellen Krise angekurbelt. Für den russischen Krieg und die damit einhergehende Verknappung von Rohstoffen kann die Zentralbank allerdings natürlich nichts.

Dennoch gießt die EZB mit ihrer weiterhin expansiven Geldpolitik eher Öl ins Feuer. Es wird schon offen über eine Trendwende geredet, die Zinsen sollen steigen, die Anleihekäufe auslaufen. Doch Vertreter der EZB warnen auch davor, überhastet zu reagieren. Zu groß sei das Risiko, mit einer Zinswende die sich anbahnende Wirtschaftskrise zu verschärfen.

In den USA steigen die Preise ebenfalls, mit gut 7 Prozent sogar noch stärker. Dort plant die Notenbank Federal Reserve nun, mit einer vorsichtigen Zinserhöhung gegenzusteuern. Allerdings werde man mit Blick auf die Weltlage alle Optionen offenhalten.

Da die USA zudem weniger vom Krieg in der Ukraine betroffen sind als Europa könnte der Dollar unter diesen Umständen gegenüber dem Euro deutlich an Wert zulegen. Manche Ökonomen erwarten sogar, dass der Euro mittelfristig unter den Dollar fallen wird.

Das Grauen, das noch droht

Die Inflation, die hierzulande in den Supermärkten und Tankstellen ankommt, ist angesichts der steigenden Preise nur ein Vorgeschmack. Die durch die Corona-Krieg und Geldpolitik seit 2020 gestiegenen Herstellerpreise wurden bisher nur bedingt an die Verbraucher weitergeben.

Sollten Krieg und Sanktionen andauern, dürften die Händler keine andere Wahl haben, als die Teuerung an die Kassen durchsickern zu lassen. Eine Verdoppelung der Preise für Nahrungsmittel, Strom und Benzin ist alles andere als unrealistisch. Ab einem gewissen Ausmaß werden unweigerlich auch die Löhne und Gehälter mitsteigen, wodurch eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt wird, die eine hohe Inflationsrate verfestigt.

Für die meisten Einwohner Deutschlands sind solche Preissteigerung zwar massiv unbequem, aber noch nicht existenzbedrohend. In anderen Ländern hingegen schon. Etwa in der die Türkei, wo die Inflation für Verbraucher bereits 50 Prozent erreicht hat, aber die Erzeugerpreise noch viel weiter steigen. Oder im Libanon. In dem Land herrschen schon jetzt Zustände, die an eine Hyperinflation grenzen. Weitere Preissteigerungen dürften hier das Fass sehr rasch zum Überlaufen bringen.

Aber auch einige europäische Länder werden von weiteren Preissteigerungen sehr viel stärker betroffen sein. In Litauen und Estland beträgt die Inflationsrate schon jetzt deutlich mehr als 10 Prozent, in Lettland und der Slowakei liegt sie bei gut acht Prozent. In diesen Ländern dürfte hinzukommen, dass das Risiko, in einen militärischen Konflikt mit Russland hineingezogen zu werden, das Investitions- und Wirtschaftsklima weiter trüben dürfte. Aber auch Belgien ist mit einer Inflationsrate von neun Prozent erheblich betroffen.

Ein weiteres Anziehen der Teuerung könnte in manchen Ländern zu einem Kollaps der Staaten führen, in anderen zu Revolutionen.

Wohl noch nicht eingerechnet sind die Preissteigerung für Düngemittel. Diese waren schon vor der Russland-Krise beunruhigend. Nun, nachdem der weltweit wichtigste Hersteller von Düngemittel als verlässlicher Handelspartner ausfällt, droht ein Mangel an Stickstoff und Harnstoff die Teuerung der Lebensmittelpreise noch zu verschärfen.

Zugleich schwebt über der Welt das Damoklesschwert einer chinesischen Invasion Taiwans. Dies klingt weit weg, ist aber extrem relevant für die Welt, da Taiwan der mit Abstand größte Hersteller von Microchips ist. Ein Krieg um Taiwan – oder seine Einverleibung durch China – könnte die Preise für Microchips und damit quasi für alles weiter explodieren lassen.

Bitcoin kein Allheilmittel – aber nützlich

Es ist also insgesamt ziemlich beunruhigend, über Preise und Inflation nachzudenken. Die Zentralbanken können gegensteuern, aber nur in sehr begrenztem Ausmaß. Sie haben mit ihrer Politik des billigen Geldes bereits einen enormen Schaden angerichtet, der die aktuelle Krise erheblich verschärft.

Eine zu energische Zinswende könnte die Lage jedoch noch verschlimmern. Die meisten Zentralbanken haben bereits in der Corona-Krise ihr Pulver verschossen und stehen in der nun anbrechenden Krise mit leeren Händen da.

Bitcoin wird sicherlich kein Allheilmittel sein. Es gibt weniger Rohstoffe, als die Welt braucht, weniger Microchips, als die Fabriken verbauen, weniger Düngemittel, als die Bauern auf ihre Felder schütten, weniger Benzin, als die Autos schlucken, und weniger Erdgas, als die Heizungen verbrennen. Wenn das Geld knapp ist, so wie Bitcoin, werden die Güter nicht weniger knapp.

Allerdings bewahrt einen Bitcoin davor, neben der Teuerung parallel durch eine Entwertung des Geldes geplagt zu werden. Bitcoin bügelt die Fehler der Zentralbanken aus. Immerhin.

Daneben können Bitcoin und andere Kryptowährungen auf eine Vielzahl von Arten helfen, Wirtschaft und Finanzwesen in globalem Maßstab effizienter zu machen. So kann der internationale Handel vom Wegfall von Mittelsmänner profitieren, die Verbraucher können durch DeFi angemessene Zinsen einfahren, ohne diese an Banken abzugeben, und so weiter.

Kryptowährungen sind, wie gesagt, kein Allheilmittel. Dennoch sind sie in der derzeitigen Krise vermutlich wichtiger denn je zuvor. Die Welt kann es sich kaum leisten, auf sie zu verzichten.


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