“Käufer sind wie immer im Schweinekreislauf, dem kann sich kein Markt entziehen…


Matthäus Reeder. Bildrechte bei Matthias Reeder, zur Verfügung gestellt für den Bitcoinblog.de.

Ein Interview mit Matthias Reder von Coinfinity in Österreich: Er erklärt unter anderem, wie beliebt Bitcoin-Gutscheine und Bitcoin-Automaten sind, welche Fallstricke in der europäischen, insbesondere deutschen Regulierung lauern und wie er als Broker die Stimmung am Markt wahrnimmt .

Hi Matthewdu führst Coinfinity der Premium Brokerage Service für Bitcoin-Käufer ab 100.000 Euro. Nutzen Ihre Kunden die Rabatte, die der Markt derzeit gewährt?

Die Käufer sind wie immer in der Schwein Zyklus, denen sich kein Markt entziehen kann. Viele Menschen kaufen, wenn die Preise hoch sind, und viele verkaufen, wenn die Preise niedrig sind. Anleger geraten in Panik, wenn viele in Panik geraten, und werden gierig, wenn viele gierig werden.

Einige unserer Kunden interpretieren den Schweinezyklus richtig und kaufen jetzt. Einige trennen sich derzeit von ihren Bitcoins. Wir mischen uns nicht ein, weil wir nicht beraten, sondern nur einen einfachen und sicheren Kauf und Verkauf ermöglichen.

Ich möchte betonen, dass wir nach wie vor von einem Hochrisikomarkt sprechen, auch wenn in der Öffentlichkeit manchmal ein anderer Eindruck entsteht. Es gibt gute Jahre, wie 2021, als der Bitcoin-Preis in Euro um 61 Prozent gestiegen ist, aber es gibt auch solche Jahre. Sie sollten nur das investieren, was Sie bereit sind zu verlieren. Wenn Sie das im Hinterkopf behalten, ist Bitcoin eine interessante Ergänzung des Portfolios.

2014 gegründet, seid ihr das älteste Bitcoin-Unternehmen Österreichs. Was sind die Coinfinity-Meilensteine ​​für Sie?

Ich bin erst 2018 beigetreten, habe also noch nicht alles aus erster Hand gesehen.

Ein Meilenstein war sicherlich, als Coinfinity 2014 die erste Bitcoin-Transaktion mit einem Geldautomaten in Österreich durchführte. Später auch die erste Lightning-Transaktion mit einer Maschine weltweit, darüber haben Sie auch berichtet. Ein weiterer Meilenstein war 2019, als wir mit der Veröffentlichung der Card Wallet – einer gebrauchsfertigen Offline-Bitcoin-Geldbörse – mit der Österreichischen Staatsdruckerei begannen.

Aber im Hintergrund passiert einiges. Wir sind in erster Linie ein Broker und ermöglichen unseren Kunden, Bitcoins rund um die Uhr in einem Online-System zu kaufen und zu verkaufen. Das Online-System gibt es seit 2014. Es beinhaltet ein Backend, eine API-Schnittstelle und mehr. Das verbessern wir kontinuierlich.

Darüber hinaus müssen wir als Broker auch über Konten und Liquidität bei den wichtigsten globalen Börsen und Handelsplätzen verfügen. Auch das entwickeln wir ständig weiter.

Aber ich denke, das Wichtigste ist, dass wir in den letzten acht Jahren kontinuierlich Vertrauen aufgebaut haben. Dazu gehört auch, konsequent auf seriöse Modelle zu setzen und sich beispielsweise von Multi-Level-Marketing zu distanzieren.

Wir behalten uns das Recht vor, Geschäftsbeziehungen zu beenden, wenn wir Kenntnis davon erhalten, dass jemand unseren Service nutzt, um Bitcoins für solche Systeme zu kaufen. Das funktioniert ganz gut. So schaffen wir es, uns von unseriösen Anbietern zu distanzieren und unser Geschäft sauber zu halten.

Sie sind ein reines Bitcoin-Startup. Wie sind Sie dazu gekommen, der Anziehungskraft der Altcoins zu widerstehen?

Wir sind nicht vollständig „Bitcoin-Only“. Für unsere B2B-Kunden, wie zum Beispiel unser Tochterunternehmen Kurant, bieten wir auch andere Krypto-Assets an. Aber der Trend geht bei uns ganz klar in Richtung Bitcoin-Only in Kombination mit einem Fokus auf Lightning. Wir planen, Ether und Litecoin auslaufen zu lassen.

Das liegt an der Faszination unseres Gründers, aber auch an pragmatischen Gründen. Als Broker bündeln wir Transaktionen und Liquidität, weshalb wir auch Wallets und Transaktionen automatisieren. Dies ist effektiver und sicherer, wenn Sie sich auf eine Münze konzentrieren. Im Multiversum von Bitcoin gibt es noch so viele Facetten zu entdecken, dass wir hier langfristig unser Geschäft finden wollen. Eine 100-prozentige Konzentration ist schon früh sinnvoll.

du vertreibst Bitcoin-Gutscheine in Tabakläden, die österreichischen Kioske. Kommt das bei den Kunden gut an?

Ja, es ist gut. Der Österreicher ist ein typischer Gutscheinkäufer. Unsere Kunden haben auch verstanden, dass Sie heute einen Gutschein für 50 Euro kaufen können und er 50 Euro wert bleibt, solange Sie ihn einlösen. Sozusagen eine Option.

Natürlich ist das Volumen im Vergleich zu unserem Maklerservice gering. Aber wir sind damit zufrieden, es ist ein Nischenprodukt mit guter Marge, das auch in Seitwärtsphasen stabile Umsätze generiert. Die Gutscheine werden oft als Geschenk verwendet, das überall auf der Welt eingelöst werden kann.

Die Bons sind anonymer als der Kauf von Bitcoins an einer Börse. Spiegelt sich das im Verbrauch wider?

Ja, ziemlich viel. Früher waren die Gutscheine anonym, heute müssen Sie beim Einlösen bis 250 Euro Ihre E-Mail und Handynummer angeben. Außerdem gilt die vollständige Registrierung/Verifizierung.

Im Hintergrund verwenden wir Tracing-Modelle, um Missbrauch zu verhindern. Dafür arbeiten wir mit mehreren Anbietern zusammen. Wenn wir beispielsweise feststellen, dass ein Kunde die Gutscheine für einen Dark-Web-Markt oder ein anderes riskantes Ziel einlöst, stoppen wir die Auszahlung. In diesem Fall kommen wir umgehend unseren Meldepflichten gegenüber den Behörden nach.

Wann beglückst du uns in Deutschland mit den Bons? Wir warten seit 7 Jahren.

Leider scheitert dies an der Registrierung, der Kryptoverwahrungslizenz. Das ist für uns de facto ein Stoppschild.

Es braucht einiges an Geld und Ressourcen, um eine solche Lizenz zu erhalten. Bisher haben erst vier Unternehmen diese Konzession erhalten, in Österreich sind es bereits 21. Das spricht wohl Bände. Wir stehen mit etablierten Anbietern in Kontakt, die sich über das langwierige Verfahren bei der BaFin beschweren. Für uns ist es aktuell ein schwer zu überwindender Zaun.

Für den Betrieb der Automaten haben wir bereits einen Bankpartner in Deutschland gefunden, mit dem wir am Markt auftreten können.

Warum sind die deutschen Anforderungen so schwer zu erfüllen?

Die US-Börse Coinbase war die erste, die eine solche Lizenz erhalten hat. Sie können aus einem Füllhorn an technischen Möglichkeiten schöpfen und haben nach der amerikanischen SEC auch die BaFin überzeugt. Andere deutsche Anbieter, darunter die Börse Stuttgart, haben hingegen noch keine Lizenz erhalten.

Die Anforderungen der BaFin sind sehr hoch. Zunächst galt eine Ausnahmeregelung für alle Unternehmen, die bis November 2019 einen Antrag gestellt haben. Diese Anträge sollen bis November 2020 bearbeitet werden. Die Frist wurde nun auf unbestimmte Zeit verlängert. Das sagt viel aus, oder?

Sie betreiben Bitcoin-Geldautomaten über Ihre Tochtergesellschaft Kurant. Welche Rolle spielen sie im Ökosystem?

Ich würde sagen, nicht unerheblich. Bargeld ist nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz). Mehr als 60 Prozent der Transaktionen sind Bargeld. Daher ist es auch sinnvoll, Bitcoin gegen Bargeld über Geldautomaten zu verkaufen.

Außerdem sind wir in Österreich zum Automatenland geworden. Sie können jetzt viel mehr Getränke oder Snacks an Automaten kaufen. Das sieht man zum Beispiel oft auf Bauernhöfen, wo die Frischeautomaten Wurst oder Milch anbieten.

Nutzer achten in der Regel sehr auf ihre Privatsphäre, denn bis zu 250 Euro können Sie ohne Registrierung oder Verifizierung bei einem Einkauf außerhalb Deutschlands wechseln. Aber natürlich verwenden wir auch hierfür Tracing-Tools, um zu analysieren, wohin die Bitcoins ausgezahlt werden, und wenn es sich beispielsweise um einen Darknet-Marktplatz handelt, blockieren wir die Transaktion. In diesem Fall kommen wir umgehend unseren Meldepflichten gegenüber den Behörden nach.

Sie stellen die Maschinen europaweit auf. Wie stehen Sie zur Regulierung in Europa? Sie haben einmal von einem Patchwork-Quilt gesprochen.

Ja, wir nennen ihn in Österreich „Flickenteppich“. Eigentlich wurde 2018 eine europaweite Geldwäscherichtlinie verabschiedet, die seit 2020 umgesetzt wird. Die Richtlinie ist europaweit gleich, aber die Auslegungen und die Praxis der Aufsichtsbehörden sind völlig unterschiedlich.

In Deutschland gibt es eine Kryptoverwahrlizenz, in Österreich eine Registrierung als Dienstleister für virtuelle Währungen, in Spanien und Griechenland war die Aufsicht erst 2021 fällig, und in den Niederlanden liegen die Agenden direkt bei ihrer Nationalbank. Alles ist gleich und doch anders und komplex.

Das Warten auf die MiCa-Richtlinie, die 2024 in Kraft treten soll, lohnt sich auf jeden Fall. Damit können Sie sich bei der European Banking Authority (EBA) registrieren, um EU-weit zugelassen zu werden. Dies würde uns den Eintritt in den deutschen Markt und andere europäische Standorte erleichtern.

Deutschland, aber auch Frankreich, sind noch weitgehend weiße Flecken auf den Karten für Bitcoin-Geldautomaten. Warum ist das so?

Eine natürliche Sprachbarriere trennt uns von Frankreich, was die Registrierungsanforderungen behindert.

In Deutschland haben wir folgenden Weg gewählt: Kurant stellt die Maschinen und ist für den Standort verantwortlich. Offizieller Betreiber ist die Sutor Bank aus Hamburg.

Dass man sich in Deutschland ab dem 1. Euro anmelden muss ist leider etwas umständlich. Aber wir sind nicht unzufrieden. Wir haben eine Kooperation mit Saturn, und die dort installierten Maschinen funktionieren recht gut. Sobald deutsche Kunden Vertrauen haben, melden sie sich auch an, das ist deutsche Gründlichkeit. Das ist natürlich nichts für Hardcore-Bitcoiner, aber für 80 Prozent unserer Kunden und noch mehr unter den Neukunden ist es in Ordnung.

Aktuell suchen wir noch aktiv nach Standorten in Deutschland. Wir haben kürzlich das Hotel Princess in Plochingen gewonnen. Der Inhaber besteht darauf, dass man nur Bitcoins kaufen kann – keine Altcoins, keine Verkäufe. Bei uns kann jeder etwas Einzigartiges machen.

Wird sich der Prozess mit der MiCa-Richtlinie ändern?

Ich glaube schon. Wenn ich hypothetisch davon ausgehe, dass sich Kurant bei der EBA mit einem Setup anmeldet, bei dem es eine Freigrenze von bis zu 250 Euro gibt, unterhalb derer man ohne Registrierung Bitcoins kaufen oder verkaufen kann, dann wäre das auch in Deutschland legal. Leider ist dies im Moment noch rein hypothetisch.

Vielen Dank für das Interview!


Herrlich sowas dieser Text kam von

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