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Die steuerliche Behandlung vieler Dinge im Zusammenhang mit Kryptowährungen blieb lange Zeit in der vage: Wie sieht es mit Staking, Lending, Airdrops aus? Wie sind Forkcoins zu handhaben? Kann die Haltedauer unter Umständen auf zehn Jahre verlängert werden? Das Bundesfinanzministerium schafft nun Klarheit. In einem Leitlinienentwurf klärt er viele der noch offenen Fragen. Manche zu Ihrem Vorteil, manche zu Ihrem Nachteil.

Sie sollten einige Dokumente kennen, wenn Sie in Deutschland mit Kryptowährungen zu tun haben. Der Entwurf einer Richtlinie den das Bundesministerium der Finanzen jetzt veröffentlicht hat, ist eines dieser Dokumente. Es ist nicht gerade einfach oder erbaulich zu lesen, aber eine, die für Sie wichtig sein könnte.

Das Finanzministerium habe es gemeinsam mit den obersten Finanzbehörden der Länder ausgearbeitet, erklärt das Ministerium bei der Präsentation. Das Schreiben soll klären, wie die „einkommensteuerliche Behandlung von Token im Allgemeinen und virtuellen Währungen wie z. B. Bitcoin im Besonderen“ zu handhaben ist. Die betroffenen Verbände werden derzeit noch angehört, das Schreiben wird noch mit den obersten Finanzbehörden der Bundesländer abgeglichen. Aber im Großen und Ganzen sei zu erwarten, schreibt Steuerberater Rüdiger Quermann dass die große Linie den einzelnen Steuerpflichtigen „als „Leitfaden zur einkommensteuerlichen Behandlung von Token und virtuellen Währungen“ nicht verändern wird. Damit ist die sanfte Phase zu Ende, in der Kryptoangelegenheiten noch Auslegungssache waren und der Steuerzahler sich darauf berufen konnte, dass es keine klaren Regeln gebe. Diese Unklarheit, wie uns Steuerberater Martin Figatwski erklärte war für viele eher Segen als Fluch.

Was genau steht in der Leitlinie? Das Dokument ist satte 81 Seiten lang, aber gut 20 davon dienen der Klärung der Begriffe: Was sind virtuelle Währungen, Token, Forks, Airdrops, Wallets, ICO und so weiter. Anschließend führt es eine „Einkommensteuerklassifizierung“ mehrerer Prozesse durch: Mining, Verkauf, Zufluss von Token und Coins durch Forks, Initial Coin Offerings (ICOs), Staking, Lending und Airdrops. Was noch fehlt, ist DeFi; anscheinend traut sich das Finanzamt immer noch nicht, an dieses Thema heranzugehen, vielleicht auch, weil es die ohnehin verworrene Situation noch weiter verkomplizieren würde.

Und an Komplexität mangelt es schon heute nicht. Dies zeigt sich bereits in der Einleitung zur Einkommensteuerklassifikation: „Einkünfte aus Tätigkeiten im Zusammenhang mit Einheiten einer virtuellen Währung und mit Token“ können je nach Sachlage „Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit im Sinne des § 15 EStG, Einkünfte aus unselbständiger Arbeit im Sinne des § 19 EStG, Einkünfte aus Kapitalvermögen im Sinne des § 20 EStG, Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften im Sinne des § 22 Nr. 2 EStG in Verbindung mit § 23 EStG oder sonstige Einkünfte im Sinne § 22 Nr. 3 EStG ". Es gibt also sechs Varianten, wie Sie das, was Sie rund um Krypto verdienen, besteuern müssen.

Mining

Die steuerliche Behandlung von Mining ist komplex Work and Proof of Stake, beide Prozesse zählen zum Mining.

Erträge aus dem Mining können sowohl privat als auch operativ verbucht werden.Für Operationen in größerem Umfang und plausiblen langfristigen Gewinnchancen können operative Erträge income angenommen, was den Vorteil hat, dass die Bergbauausrüstung zu günstigen Konditionen abgeschrieben werden kann. Der Wert ist natürlich der Marktpreis zum Zeitpunkt des Minings. Im Sinne einer Einkommensüberschussberechnung, die auch für Privatpersonen möglich ist, zählen die durch das Mining erwirtschafteten Coins zu den Betriebseinnahmen, genauer und formalisierter: „als unverbriefte Forderungen und Rechte vergleichbar mit Wertpapieren als Vermögenswert“ Coins. Das meiste davon war bereits vor Abfassung des Schreibens weitgehend bekannt: Erfolgt der Verkauf im Rahmen einer Geschäftstätigkeit, sind die erwirtschafteten Euro als Betriebserträge abzüglich der Anschaffungskosten auszuweisen. Können diese nicht ermittelt werden, erlaubt das Schreiben auch eine Bewertung nach durchschnittlichen Kosten.

In der Privatwirtschaft hingegen sind Einheiten virtueller Währungen als "sonstige Wirtschaftsgüter" anzusehen, deren Bewertung sich am Marktpreis orientiert. Gewinne – oder Verluste! – aus dem Verkauf solcher privat gehaltener Kryptowährungen stellen somit „Erträge aus privaten Verkaufstransaktionen“ (bzw. Verluste) dar – sofern sie nicht länger als ein Jahr gehalten werden. Als Verkauf gilt nicht nur, wenn eine Kryptowährung gegen Fiatgeld verkauft wird, sondern auch, wenn sie gegen Waren, Dienstleistungen oder andere Kryptowährungen getauscht wird.

Aufgabe aus der Leitlinie. Wie hoch ist die Steuerschuld?

Die Gewinn- und Verlustrechnung bei einem Verkauf ist an sich einfach. Als Verkaufserlös gilt das vereinbarte Honorar, also der Preis, zu dem man verkauft. Tauscht man dagegen eine Kryptowährung gegen eine andere, zählt deren Marktwert (in Euro) als Verkaufserlös. Davon können natürlich die Transaktions- bzw. Umtauschgebühren abgezogen werden.

Grundsätzlich ist eine individuelle Berücksichtigung zur Bestimmung der Haltedauer möglich. Der Einfachheit halber kann man aber auch das „First in First out“-Prinzip (FiFo) in Anspruch nehmen, das davon ausgeht, dass die zuerst gekauften Coins auch zuerst ausgegeben werden. Ist das Prinzip einmal gewählt, muss es für alle Coins einer Kryptowährung in einem Wallet gelten; Die Methode kann jedoch für verschiedene Kryptowährungen und verschiedene Währungen geändert werden. Wer fleißig ist, soll Steuern sparen können. Steuerfrei bleiben die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften, wenn sie in einem Jahr weniger als 600 Euro betragen.

Die Verlängerung der 1-Jahres-Frist durch Staking, Lending und DeFi

Die 1-Jahres-Regel gilt jedoch nicht immer. Sie wird außer Kraft gesetzt, „wenn Einheiten einer virtuellen Währung oder eines Tokens als Einnahmequelle verwendet werden“. Diese Regelung wurde bereits diskutiert, ihre Verbindlichkeit ist jedoch neu. Für viele, die die zahlreichen CeFi- und DeFi-Angebote genutzt haben, dürfte es unangenehm werden. Beispiele für die Nutzung von Kryptowährungen als Einnahmequelle sind Staking, sei es als Mining, Cold Staking oder Masternode; Ein anderes ist das Lending, bei dem Kryptowährungen verliehen werden, beispielsweise über Plattformen wie Bitwala oder im Margin-Handel an Börsen. Auch die Bereitstellung von Liquidität über DeFi sollte theoretisch in diese Kategorie fallen, wird aber nicht erwähnt. Bei allen Vorgängen, bei denen „das Halten von Einheiten einer virtuellen Währung zur Zuteilung weiterer Einheiten der virtuellen Währung führt“, wird die Haltedauer auf zehn Jahre verlängert.

Noch eine Aufgabe aus der Richtlinie: Wie hoch ist die Steuerpflicht diesmal? [19659016] Das Beispiel Staking zeigt die buchhalterischen Herausforderungen, die mit dieser Regel verbunden sind: Die Coins, die zum Staking zurückgehalten werden, unterliegen der verlängerten Haltefrist, nicht aber die Coins, die durch Staking erworben werden. Immerhin zählen Coins mit der verlängerten Haltedauer nicht mehr in der Reihenfolge nach FiFo.

Besteuerung von Forkcoins

Eine Sache, die wahrscheinlich vielen Nutzern und Steuerbeamten Kopfzerbrechen bereitet, ist das Einbringen neuer Coins in das Vermögen durch eine Gabel. Bisher konnte man sich die Versteuerung ersparen, weil niemand wusste, wie und wenn überhaupt. Nun definiert das Bundesfinanzministerium das und wie genau.

Wenn Sie die Coins als Betriebsvermögen halten – sagen wir Bitcoin – und dann über eine Gabel die gleiche Menge anderer Coins erhalten – sagen wir Bitcoin Cash – gehen diese als weiteres Wirtschaftsgut in die Bilanz ein. Auch die Anschaffungskosten von Bitcoins ändern sich entsprechend dem Verhältnis des Marktwertes von Bitcoin zu Bitcoin Cash. Als Beispiel: Wir haben damals einen Bitcoin für 100 Euro gekauft, und zum Zeitpunkt des Forks war der Bitcoin 1.000 Euro wert und der Bitcoin Cash 100. Also buchen wir den Kaufpreis für den Bitcoin 90 Euro und für das Bitcoin Cash 10 Euro. Hat die an der Gabelung erzeugte Münze zu diesem Zeitpunkt keinen Wert, ändert sich der Anschaffungswert nicht; Sollten die Werte der jeweiligen Bitcoins bis zur nächsten Bilanz sinken, kann diese Wertminderung als Wertminderung erfasst werden.

Wenn jemand als Privatperson durch eine Gabelung neue Coins genießen kann, dann „erschafft der Steuerzahler die Einheiten einer neuen virtuellen Währung“ gegen Gebühr „als Teil der Einheiten der virtuellen Währung, die vor der Gabelung existierten“. Auch in diesem Fall müssen die Anschaffungskosten der ursprünglichen Kryptowährung im Verhältnis zum Wert beider Währungen zum Zeitpunkt des Fork geteilt werden. Da der Erwerb des Bitcoins mit dem Erwerb des Forkcoins zusammenfällt, wird die Haltedauer von Bitcoin voraussichtlich an die Forks weitergegeben. Bitcoin Cash hat sich dann von Bitcoin SV und später Bitcoin ABC abgespalten. Die wenigsten von ihnen werden alle Forkcoins abgeholt haben, was natürlich schwer zu beweisen ist.

Token aus einem ICO

Heilig wird es auch, wenn neben all den Coins und Forkcoins auch Token von einem ICO kommen. Diese können auf unterschiedliche Weise gebucht werden, je nachdem, „ob die Token dem Inhaber eine besondere Rechtsstellung einräumen. Token können als Vermögenswerte unter Finanzanlagen oder als Forderungen bilanziert werden. „Ausnahme sind sogenannte „Utility Token“, die den zukünftigen Zugriff auf ein Produkt oder eine Dienstleistung gewähren. Wenn Sie diese einlösen, ist dies einkommensteuerrechtlich unerheblich; es gibt keinen verkauf. Wird hingegen ein Utility Token verkauft, gelten die üblichen Regeln für den Verkauf einer Kryptowährung.

Falls dagegen ein Token den Status eines Wertpapiers nach dem Securities Act genießt – es wäre dann ein Equity-/Security-/Debt-Token – gelten andere Regeln. Solche Token können eine Kapitalforderung oder eine Sachforderung verkörpern. Im ersten Fall gelten Einkünfte aus dem Verkauf eines solchen Tokens als Einkünfte aus Kapital, im zweiten als Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften an Betriebsvermögen oder als private Einkünfte aus sonstigen Dienstleistungen. Da diese Einnahmen meist in Token oder Coins erzielt werden, müssen sie mit dem Marktwert des Tokens zum jeweiligen Zeitpunkt verrechnet werden.

Keine Langeweile für Steuerberater

Das hört sich also alles ziemlich kompliziert an. Wer ist seit etwa 2015 dabei, wer hat an diversen ICOs teilgenommen, hat Coins gegen Altcoins getauscht, wer hat von den Forks zu Ethereum Classic, Monero Classic, Bitcoin Cash, Bitcoin SV profitiert, wer hat Coins eingesetzt und geliehen, wer Airdrops hat aufgehört seine Hand und gründet möglicherweise einen Bergmann – er kann darauf vorbereitet sein, dass er viel zu recherchieren, aufzuräumen und zu registrieren hat.

Der Steuerberater Rüdiger Quermann kommentiert den Entwurf einer Richtlinie des Bundesfinanzministeriums mit folgenden Worten: „Manche Dinge könnten sehr gut ausgehen. Die Möglichkeit der adressbezogenen Verbrauchsreihenfolge bzw. je nach verwendeter Wallet/Börse ist arbeitsintensiv, aber sinnvoll. Ansonsten hat das BMF den Bergleuten mit der einjährigen Abschreibung der Hardware ein schönes Geschenk gemacht. Dafür ärgerte er viele mit der Behauptung, dass Kreditvergabe und Staking als Einkommensgenerierung gelten und die Haltedauer auf zehn Jahre verlängert wird. So kommt keine Langeweile auf der Beratungsseite auf. ”


Prima dieser Text kam von

[ENGLISH]