Lugano aktiviert Plan B (wie Bitcoin) – BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin un…


Manche Orte sind halt besser als andere: Lugano hat Berge, einen See, gutes Wetter – und nun auch Bitcoin. Bild von Vasil Cotovanu via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Lugano plant, zur führenden Krypto-Metropole der Schweiz zu werden. Dazu koopiert die Stadt mit Tether und Polygon und startet ein beeindruckendes Bündel an Maßnahmen.

Nicht alle Orte sind gleich. Manche liegen wie eine hässliche Industrieflunder im verregneten Flachland, und andere, wie die südschweizer Stadt Lugano haben alles: Berge, einen See, gutes Wetter – und nun auch einen Plan B.

Bei einer Veranstaltung hat Lugano vor kurzem den Plan Bitcoin vorgestellt. Durch diesen möchte die 62.000-Einwohner-Stadt, kommentiert das Schweizer Finanzmanagazin Finews, dem Zuger Crypto Valley den Rang als führenden Krypto-Standort der Schweiz ablaufen.

Während des Events enthüllt Bürgermeister Michele Foletti auch, auf welche Kooperationspartner die Stadt setzt: Mit auf dem Podium sitzen Tethers CTO Paolo Ardoino und Polygon-Mitgründer Sandeep Nailwal; per Livestream schaltet sich sogar der öffentlichkeitsscheue Tether-CEO Jan Ludovicus van der Velde zu.

Die Pläne, die Lugano und seine Partner bekanntgeben, reichen weit. Zum einen macht die Stadt drei Kryptowährungen zu einem „de Fakto gesetzlichen Zahlungsmittel“, meint der Schweizer Bitcoiner Stadicus vom Züricher Hardware-Wallet-Hersteller ShiftCrypto. „De Fakto“, weil die drei Währungen zwar wie ein offizielles Zahlungsmittel behandelt, aber nicht im Gesetz also solches verankert werden – was extrem interessante juristische Folgen hätte, die weit über Lugano und die Schweiz hinausreichten.

Die Stadt Lugano wird Bitcoin, Tether und Luga (LVGA) umfassend akzeptieren: für Steuern, Parktickets, Studiengebühren und sämtliche öffentliche Dienstleistungen, etwa Einbürgerungsgebühren, Bestattungskosten und so weiter. Luga ist ein städtisches Token.

Die Kooperation mit Tether und Polygon ist vielsagend. Tether soll dabei helfen, neben Bitcoin auch Stablecoins zu akzeptieren, während Polygon als Ethereum-Sidechain vermutlich der Stadt und deren Einwohnern es ermöglicht, die Ethereum-basierten Luga-Token zu verwenden, ohne die sündhaft teuren Ethereum-Gebühren zu bezahlen. Interessanterweise benötigt Bitcoin keinen Kooperationspartner.

Die Pläne und Maßnahmen von Lugano greifen aber noch viel weiter. Die umfassende Akzeptanz durch die Stadt ist eher ein Aufhänger und symbolischer Akt, um zu zeigen, dass man sich bis an die Spitze hin für Kryptowährungen öffnet.

Private Unternehmen, darunter die 200 Geschäfte der Stadt, werden aufgerufen, die drei Coins zu akzeptieren. Dabei wird auch Lightning explizit genannt, wofür die Unternehmen vermutlich die technische Hilfe von Tether genießen können.

Eine für die Schweiz überraschende Idee ist es, eine städtische Mining-Farm einzurichten. Paolo Arduino schlägt vor, diese mit 100 Prozent erneuerbaren Energien zu betreiben. Dies würde Lugano zur ersten öffentlichen Institution Europas machen, die eine Bitcoin-Politik betreibt, die dem Klimaschutz wirklich helfen würde, anstatt wie das EU-Parlament symbolische Verbotsphantasien zu diskutieren. Die Einkünfte des Minings sollen dabei in der städtischen Kammer verbleiben.

Vor allem aber möchte Lugano Krypto-Startups und -Unternehmen anziehen. Dazu gründet die Stadt gut sichtbar im Zentrum einen Startup-Hub und stellt mehr als 3 Millionen Dollar bereit, um neue Startups zu unterstützen. Darüber hinaus plant sie laut Stadicus, eine Kriegskasse von 100 Millionen Dollar aufzustellen, um andere Unternehmen dazu zu motivieren, Sitz und Mitarbeiterschaft nach Lugan zu verlegen.

Ferner möchte Lugano in die Ausbildung der für die Blockchain-Branche notwendigen Fachkräfte investieren. So sollen für 500 Studenten Stipendien finanziert sowie ein Bitcoin- und Blockchain-Curriculun an der Hochschule eingrichtet werden.

Schließlich möchte die Stadt im Palazzo dei Congressi ab Herbst ein „Bitcoin Weltforum“ veranstalten. Auf diesem dreitätigen Event soll sich die internationale Kryptobranche teffen und austauschen. Zugesagt haben bereits Adam Back und Samson Mow von Blockstream sowie der etwas schrille, aber prominente Bitcoin-Publizist Max Keiser.

Mit der Ankündigung von Plan B erreicht ein Prozess einen Höhepunkt, den Lugan schon vor knapp zwei Jahren angestoßen hat. Die Stadt hat eine eigene Krypto-App sowie das städtische Luga-Token herausgegeben und mit 30 Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor der Schweiz die 3Achain-Blockchain entwickelt. Nach diesen Ausflügen in die „Krypto-Welt“ besinnt sich Lugano dank seiner Partner nun offenbar auf das, was wirklich wichtig ist: auf Bitcoin.


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