Und auch in Paraguay reifen Pläne, Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen.


Der Itaipu-Staudamm. Bild von Nico Kaiser über flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nachdem El Salvador sich beeilt hat, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel zu erklären, will Paraguay, ein paar tausend Kilometer südöstlich, nachziehen. Dank eines riesigen Staudamms hofft das südamerikanische Binnenland, ein globaler Bergbau-Hotspot zu werden. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein.

Carlos Rejala, ein Unternehmer und unabhängiger Abgeordneter im paraguayischen Kongress, will in die Fußstapfen von El Salvadors Bitcoin-Präsident Nayib Bukele treten und sein Land für Bitcoin öffnen.

So twitterte der Politiker, der sich natürlich mit Laseraugen auf dem Bahnsteig zeigte:

„Wie ich schon vor langer Zeit sagte, unser Land muss Hand in Hand mit der neuen Generation vorankommen. Der Moment ist gekommen, unser Moment. Diese Woche starten wir ein wichtiges Projekt um Paraguay aus der Welt zu erneuern! Wir gehen wirklich zum Mond 🚀 #btc & #paypal “

Konkret geht es wohl um dass Rejala derzeit an einem Gesetzentwurf arbeitet, der am 14. Juli dem Kongress vorgelegt werden soll. Das geplante Gesetz soll Bitcoin als Zahlungsmittel legalisieren und regulieren. Der Abgeordnete kündigte an, dass Bitcoin wie El Salvador als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt werde.

Es ist jedoch derzeit noch offen, ob dies auch mit der für El Salvador geplanten verpflichtenden Annahme von gesetzlichen Zahlungsmitteln einhergeht. Bisher ist nur bekannt, dass laut Gesetz jede Transaktion innerhalb des Landes mit Bitcoin abgewickelt werden kann und der Staat die Pflicht hat, Akteure aus verschiedenen Sektoren aufzuklären und zu schulen, damit „diese neue Art des elektronischen Zahlungsverkehrs“ wird allgemein zugänglich. Das kann man sensationell verstehen – dass nun das zweite lateinamerikanische Land eine Annahmepflicht für Bitcoin einführt, wodurch sich ein Gürtel der Bitcoin-Nationen zu bilden beginnt – oder lahm: dass es so sein soll erlaubt ist, mit Bitcoin zu bezahlen – dass die Kryptowährung nicht verboten ist. Das wäre unter normalen Umständen keine Neuigkeit und international, selbst in einem Land wie Paraguay, wo Bitcoin noch in der rechtlichen Grauzone liegt, kaum eine Randnotiz wert.

Die Abgeordnete Rejala fährt zweifellos im Windschatten des Bitcoin-Gesetzes von El Salvador. Eine mitreißende Tweet-Reihe von ihm nährt die Vermutung, dass er mit dem Gesetzentwurf für den Wirtschaftsstandort Paraguay die Trommel schlagen will: fruchtbares Land? pic.twitter.com/N3WaFjbuUJ

– Carlitos Rejala 🙏🇵🇾🙌 (@carlitosrejala) 18. Juni 2021

“Unternehmer und Investoren, die zum ersten Mal nach Paraguay suchen: Sie können Stellen Sie sich vor, Ihr Kapital in ein finanziell fruchtbares Land zu investieren? Können Sie sich vorstellen, in den weltweit größten Produzenten sauberer und erneuerbarer Energie zu investieren? Mit den niedrigsten Steuern in der Region, 10 Prozent für das Einkommen, 10 Prozent für den Verkauf und 10 Prozent für das persönliche Einkommen? Mit der größten Arbeiterjugendarmee und einem südlichen Marktblock (Mercusor) mit mehr als 500 Millionen Menschen? „Paraguay ist seit langem ein attraktiver Standort für Bitcoin-Miner. Wir haben darüber Mitte 2019 geschrieben . Anfang 2020 berichtete ein Reporter der Neuen Züricher Zeitung von einer Bitcoin-Mine in Ciudad del Este, wo ein Paraguayer mit taiwanesischen Wurzeln, Antonio Li, unter Wellblechdächern und in einem alten Sägewerk. Gespeist werden die Minengeräte mit billigem Strom aus Itaipú, dem drittgrößten Wasserkraftwerk der Welt, das an der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien deutlich mehr Strom liefert, als das Land mit 7 Millionen Einwohnern verbrauchen kann.

Li fasst die Situation der Bergleute in Paraguay in einer Formel zusammen: An vielen Orten der Welt ist der Bergbau unrentabel und risikolos; in Paraguay ist es profitabel, aber riskant. Vor allem in Ciudad del Este trübt die hohe Kriminalitätsrate das ansonsten schöne Bild. Der Ort gilt als Schmuggelparadies, aus dem gefälschter Whisky, Textilien, Elektronik, Drogen und Waffen die Grenzen überschreiten. Darüber hinaus ist auch fraglich, ob Paraguay über die notwendige Infrastruktur verfügt, um tatsächlich zu einem Top-Bergbaustandort zu werden. Das Internet gilt als eher langsam und unzuverlässig; und wie man im Iran sehen kann, braucht ein Land nicht nur günstige Strompreise, sondern auch ein solides und starkes Stromnetz. Unabhängig davon fördert Rejala aggressiv Paraguay als Bergbaustandort. So kommentiert er beispielsweise ein Video, das die Demontage einer Minenfarm in Sichuan zeigt, mit einem winkenden Handsymbol und der Einladung: „Wir warten auf Sie in Paraguay!“

Rejala arbeitet dafür zusammen mit der Firma Bitcoin.com.py. Dies hat nichts mit der Website Bitcoin.com zu tun, sondern ist ein Dienstleister, der dabei hilft, Mining-Anlagen in Paraguay aufzubauen und in diese zu investieren. Sein Ziel ist es, Rejala dabei zu helfen, das Land zu einem „globalen Hub für Krypto-Investoren“ und in der Folge zu einem Zentrum moderner Digitaltechnologie zu machen.


Prima dieser Text veröffentlichte
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